Geschichte
Geschichte der Neurowissenschaft in Magdeburg
Der Forschungsschwerpunkt Neurowissenschaften hat in Magdeburg eine lange Tradition, die bis in die späten 50er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Hier finden Sie die wichtigsten Eckdaten zur Entwicklung der Hirnforschung in Magdeburg.
seit 1954: Entwicklung der Neurowissenschaften in Magdeburg
Neurowissenschaftliche Forschung entwickelte sich seit der Gründung der Medizinischen Akademie Magdeburg im Jahr 1954 zu einem der profilbestimmenden Forschungsschwerpunkte. Als Nestor der Neurowissenschaften in Magdeburg stellte der Pharmakologe und spätere Gründungsdirektor des Akademie-Institutes für Neurobiologie und Hirnforschung, Hansjürgen Matthies, ein wegweisendes Konzept zur Erforschung der physiologischen und neurochemischen Grundlagen von neuronaler Plastizität und Lern- und Gedächtnisprozessen auf.
seit 1967: Internationale Symposien in Magdeburg
Um den Austausch mit internationalen Labors zu fördern, fand im Mai 1967 ein von Hansjürgen Matthies initiiertes neuropharmakologisches Symposium in Magdeburg statt, aus dem in der Folge die Reihe der Internationalen Magdeburger Symposien für Lernen und Gedächtnis hervorging, die bis heute im 5-jährigen Turnus stattfindet und weltweit führende Expertinnen und Experten nach Magdeburg bringt.
seit 1992: Kooperationen zur Förderung der Neuro-Forschung in Magdeburg
Nach der Wende entstand mit der Gründung des heutigen Leibniz-Instituts für Neurobiologie Magdeburg 1992 und der Berufung von Henning Scheich als dessen Gründungsdirektor ein starker Partner für die in Gründung befindliche Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (gegründet 1993). In fakultätsübergreifenden Kooperationen wurde ein Kompetenzzentrum für neurowissenschaftliche Forschung aufgebaut, in dem von Anfang an die nicht-invasive Bildgebung von Hirnprozessen eine große Rolle spielte.
seit 1996: Erstes DFG-gefördertes Graduiertenkolleg
Mit dem ersten DFG-geförderten Graduiertenkolleg GRK 253 „Neurobiologische Grundlagen von Erkrankungen des Nervensystems“ unter der Sprecherschaft des Neurochemikers Georg Reiser begann die bessere Koordinierung und Strukturierung der Ausbildung von Promovierenden in den Magdeburger Neurowissenschaften nach einheitlichen Standards. Weitere GRKs folgten mit dem GRK1167 „Zell-Zell-Kommunikation in Nerven- und Immunsystem: topologische Organisation von Signalwegen“ 2005 - 2014 (Sprecher Michael Naumann & Eckart Gundelfinger) mit der Leibniz-Graduiertenschule „Synaptogenetics“ 2011 - 2014 (Sprecher Eckart Gundelfinger) und der Internationalen Graduiertenschule ABINEP 2016 - 2022 (Sprecher Volkmar Lehmann & Constanze Seidenbecher).
seit 1997: DFG-geförderte Neuro-Sonderforschungsbereiche als strukturierende Elemente für den Standort
Mit dem Physiologen Hans-Christian Pape als Sprecher erforschten Magdeburger Neurowissenschaftler im SFB 426 „Limbische Strukturen und Funktionen“ das für das Zusammenspiel von Kognition und Emotion bedeutsame limbische System. Daraus ging 2006 die von Emrah Düzel und Hans-Jochen Heinze geleitete Klinische Forschergruppe 163 „Kognitive Kontrolle von Gedächtnisfunktionen“ hervor.
Von 2005 bis 2017 war in Magdeburg der DFG Transregio-SFB TRR 31 „Das aktive Gehör” angesiedelt, der gemeinsam mit der Universität Oldenburg durchgeführt wurde (Sprecher Georg M. Klump).
seit 2004: Neurowissenschaften als Exzellenzschwerpunkt des Landes Sachsen-Anhalt
Im Rahmen der Exzellenzoffensive des Landes Sachsen-Anhalt wurden die Neurowissenschaften im Jahr 2004 als exzellenter Forschungsschwerpunkt identifiziert und zur besonderen Förderung vorgesehen. Daran hatte insbesondere der Neurologe Hans-Jochen Heinze – einer der Standort-Architekten der Nachwendezeit – einen großen Anteil.
seit 2007: Aufbau des CBBS
Durch das Engagement von Henning Scheich und Hans-Jochen Heinze gelang 2007 die formelle Gründung des CBBS als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der OVGU Magdeburg gemäß §99 Hochschulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt unter dem Rektorat von Klaus Erich Pollmann. Neben Scheich und Heinze gehörten auch der Magdeburger Pharmakologe Volker Höllt sowie der Psychologe Thomas Münte und der Molekularbiologe Eckart Gundelfinger dem Gründungs-Sprecherrat an. Mit der direkten Zuordnung zum Rektorat fungiert das CBBS als institutionsunabhängige Dachstruktur, die die weitere strategische Ausrichtung durch gezielte Berufungen und den Ausbau der Infrastruktur koordiniert.
seit 2008: Fördermittel für das CBBS
Das CBBS wird mit Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt sowie aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kontinuierlich mit inzwischen über 20 Millionen Euro gefördert. Die Mittel werden kompetitiv eingesetzt, um u.a. neue Forschungsgruppen anzusiedeln: „Molecular and Systemic Neuropharmacology" geleitet von Ralf Stumm 2008-2010, „Kognitive Neurowissenschaften“ mit Gerhard Jocham 2016-2022, „Methoden in der Psychologie“ unter Leitung von Michael Hanke 2016-2022, „Klinische Entwicklungspsychologie“ unter Claudia Preuschhof 2016-2022, „Neurokognitive Entwicklung“ mit Nicole Wetzel 2017-2023 (LIN) und „Neuronale Schaltkreise und Netzwerkdynamik“ geleitet von Janelle Pakan 2017-2023.
seit 2008: zwei neue Neuro-Sonderforschungsbereiche
Auf Vorarbeiten aus großen CBBS-Verbünden bauten zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Sonderforschungsbereiche auf: der SFB 779 „Neurobiologie motivierten Verhaltens“ (2008-2019), Sprecher Thomas Münte, ab 2010 Frank Ohl, und der Transregio-SFB TRR 62 „Eine Companion-Technologie für kognitive technische Systeme” gemeinsam mit der Universität Ulm (2009-2017, Sprecherin Susanne Biundo-Stephan).
seit 2009: mit dem DZNE kommt ein starker Partner dazu
Mit großer Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt gelang es, einen Standort des Deutschen Zentrums für Neurogenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) der Helmholtz-Gemeinschaft in Magdeburg anzusiedeln. Mit Emrah Düzel wird 2011 ein Magdeburger Neurologe und Experte für das alternde Gehirn zum Standortsprecher berufen.
seit 2013: CBBS-Mitglieder im ERC-Wettbewerb erfolgreich
Im Jahr 2013 erhielt mit Thomas Wolbers das erste CBBS-Mitglied einen ERC Starting Grant. Zudem sicherte er sich im Jahr 2018 einen ERC Proof-of-Concept-Grant. Im Jahr 2017 warb Gerhard Jocham einen ERC Consolidator Grant ein, und Esther Kühn war 2020 im ERC Starting Grant-Wettbewerb erfolgreich, ebenso wie Markus Ullsperger 2021 im ERC Advanced Grant Wettbewerb, und 2025 warb Sanja Bauer Mikulovic einen ERC Starting Grant ein.
seit 2015: das CBBS wird durch die Leibniz-Gemeinschaft gefördert
Im Jahr 2015 konnten mit dem Leibniz-Wissenschaftscampus sowie mit dem Leibniz-Postdoc-Netzwerk gleich zwei Förderungen für das CBBS bei der Leibniz-Gemeinschaft eingeworben werden. Das Postdoc-Netzwerk untersuchte die Bedeutung von Monoaminen für Hirnnetzwerke, und der ScienceCampus widmete sich der Frage, wie Erkenntnisse über physiologische und pathophysiologische Mechanismen von Hirnplastizität in die medizinische Praxis einfließen können.
seit 2017: CBBS etabliert eigenes Graduiertenprogramm
Um die Nachwuchsförderung weiter auszubauen, hat das CBBS ein Graduiertenprogramm eingerichtet. Es dient dem Informations- und Erfahrungsaustausch und der stärkeren Vernetzung von Studierenden, (Post-)Doktoranden und -doktorandinnen.
seit 2019: neues DFG-Graduiertenkolleg
CBBS-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warben das DFG-Graduiertenkolleg 2413 „SynAGE“ ein (Sprecher Daniela Dieterich, seit 2024 Oliver Stork), welches Alterungsprozesse an Synapsen erforscht und medizinische und naturwissenschaftliche Promotionen in 11 CBBS-Labors fördert.
seit 2021: neue Neuro-Verbünde schärfen das Profil
Der Sonderforschungsbereich 1436 „Neurale Ressourcen der Kognition“ mit den Sprechern Emrah Düzel und Michael Kreutz vereint 26 CBBS-Labors unter der Fragestellung, wie das kognitive Potential des Gehirns auf molekularer Ebene und in den Hirnnetzwerken erhalten und gesteigert werden kann. Michael Kreutz ist auch Sprecher der 2021 gestarteten DFG-Forschungsgruppe 5228 „Syntophagy“, die synaptische Autophagieprozesse zur Aufrechterhaltung der Synapsenfunktion untersucht.
seit 2021: Partner im Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit
Im Verbund mit Halle und Jena wurde ein mitteldeutscher Standort des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) geschaffen. Der Verbund-Name C-I-R-C ist angelehnt an den Begriff circuit für Netzwerk und meint einerseits die Netzwerke der Nervenzellen im Gehirn und wie sie mit dem Körper in Verbindung stehen, und andererseits auch das dahinterstehende Experten-Netzwerk in den drei mitteldeutschen Universitätsstädten. Dabei gab auch die hervorragende Ausstattung und das exzellente Know-How im Bereich der Bildgebung von neuronalen Prozessen vom Mikro- bis zum Makro-Maßstab den Ausschlag für die Aufnahme in das DZPG.
